80 Jahre und kein bisschen leise

Dr. Rolf Spangenberg im Gespräch mit der Neuen Ingelheimer Zeitung 

 

INGELHEIM. Im vergangenen Jahr feierte Dr. Rolf Spangenberg seinen 80. Geburtstag, doch für ihn ist dies noch lange kein Grund sich zur Ruhe zu setzen. Der studierte Tierarzt ist bekannt als „Heimtierdoktor“ verschiedener Fernseh- und Hörfunksender und hat monatlich in der Radio-Tiersprechstunde des SWR4 ein offenes Ohr für die Fragen der tierlieben Hörer. 18 Bücher hat er bereits veröffentlicht und schreibt regelmäßig für Fachzeitschriften und aktuelle Zeitungen. In seiner „Online-Praxis“ (www.zzf.de) beantwortet er Fragen von besorgten Tierfreunden oder gibt Tipps zur Tiergesundheit. Den Ingelheimer Verein „Tierhelfer Ingelheim e.V.“ gründete Rolf Spangenberg mit und ist heute noch als Ehrenvorsitzender im Vorstand aktiv. Seit über 50 Jahren lebt der gebürtige Hamburger mittlerweile in Ingelheim und wurde 1999 sogar mit dem Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet, neben der Ehrenbürgerschaft die höchste Auszeichnung des Landes.

 

Schon im Alter von 6 Jahren stand für Sie fest: Ich möchte Tierarzt werden. Woher kam dieses frühe Interesse?

 

Aufgewachsen in einer Großstadt hatte ich in meiner Kindheit nicht wirklich viel Kontakt zu Tieren. Mit 10 Jahren war ich immer noch der Meinung, dass Pferde stumm seien, denn bis zu diesem Alter hatte ich noch nie ein Pferd wiehern gehört. Mich faszinierte damals einfach der Gedanke an die praktische Arbeit mit Tieren und meine Vorstellungen wurden nicht enttäuscht.

 

Gibt es für Sie Lieblingstiere, die Sie besonders gern behandeln?

 

Nein, für einen Tierarzt sind alle Tiere Patienten, die Hilfe benötigen. Ich kenne mich aber besonders gut mit Kühen aus und habe schon während meines Studiums ein Kalb per Kaiserschnitt entbunden. Das war damals im Landkreis eine echte Sensation. Meine Doktorarbeit, die ich übrigens aus Armut selbst verfassen musste, handelte auch von Kühen. Von Löwen über Schlagen habe ich wirklich die unterschiedlichsten Tiere behandelt; bis auf einen Hai, da würde ich mich nicht rantrauen.

 

Sie haben mit Heidi Kabel gemeinsam auf der Bühne gestanden. Wie kam es dazu?

 

Ich wurde vom Schulleiter unserer Volksschule, Otto Lüthje, der später selbst als Schauspieler bekannt wurde, ausgewählt einige Kinderrollen im Ohnsorg-Theater zu übernehmen. Ich war damals etwa 10 Jahre alt und für mein Alter sehr klein. Ich wirkte jünger als ich war und konnte gleichzeitig gut die Texte lernen; perfekte Voraussetzungen also. Ich spielte bis zur Ausbombung Hamburgs circa 2 Jahre im Ensemble mit und unter anderem in einem niederdeutschen Drama den Sohn von Heidi Kabel. Ich weiß noch, dass ich mich nach jedem Vorstellungsende beeilen musste die letzte Straßenbahn nach Hause zu bekommen.

 

1960 sind Sie aus beruflichen Gründen nach Ingelheim gezogen, fühlen Sie sich als echter Ingelheimer?

 

Meine Mutter, eine Hanseatin durch und durch, fragte mich immer, wie ich es „da unten bei den Südländern, die man nicht verstehen kann“, nur aushalte. Aber ich fühle mich wirklich sehr wohl hier in Ingelheim. Unsere Tochter wurde am Rosenmontag geboren, das ist doch der beste Beweis! Und wo auf der ganzen Welt gibt es eine Stadt, die einen sympathischen Oberbürgermeister und eine sympathische Bürgermeisterin hat? Und als begeisterter Rotwein-Trinker schätze ich die viele gute Weingüter direkt vor der eigenen Haustür.

 

Mit 80 Jahren haben Sie ein beachtliches tägliches Arbeitspensum. Wie halten Sie sich dafür fit?

 

Ich gehe regelmäßig Schwimmen und jogge möglichst zwei Mal die Woche eine Stunde. Als leidenschaftlicher Läufer bin ich vor 35 Jahren meinen ersten Marathon auf der Originalstrecke von Marathon nach Athen gelaufen. Seitdem lief ich bei 14 Marathon-Läufen mit. Ich glaube ich halte hier einen Ingelheimer (Negativ-)Rekord, denn die Zeit meines ersten Marathons war so unglaublich schlecht, dass ich mich bei der Zeit meines dritten Marathons um eine sagenhafte ganze Stunde auf 3:18 h verbessern konnte. Im vergangenen Jahr habe ich auch zum 25. Mal mein Sportabzeichen geschafft, wenngleich mir ehrlich gestanden das Springen mittlerweile doch schon schwerer fällt.